Kaffeeanbau und Biodiversität

In der Februar Kiste des Bio-​di­ver­si­täts-​abo war ein The­ma­ti­scher Schwer­punkt des Bei­pack­zet­tels, ‚Kaf­fee­an­bau und Bio­di­ver­si­tät‘ bzw. die so­zia­le Kom­po­nen­te von Bio­di­ver­si­tät.
Der Text ist von Georg, von der fai­ren Kaf­fee­ma­nu­fak­tur Rös­trausch. Den wir auch im Sor­ti­ment haben.
Kaffeeanbau und Biodiversität
Kaffee wurde traditionell in Schattenbaumkultur, also im Schatten großer Bäume und zumeist in natürlichen Grenzen, wie Bächen oder Reliefs etc. angepflanzt. Auch wenn im Zuge der Bewirtschaftung die Artenvielfalt beeinträchtigt wird, bleiben insgesamt durch diese Anbaumethode noch weitreichend natürliche Lebensräume erhalten. Dabei wirkt sich auch positiv aus, wenn statt moderner High yield varieties, alte widerstandsfähige Kaffeesorten, die kaum oder keinen Mineraldünger benötigen zum Einsatz kommen.
Aufgrund der niedrigeren Erntemengen / ha dieser Anbaumethode, wurden nicht zu letzt im Zuge sinkender Weltmarktpreise zunehmend große Kaffee-Monokulturen angelegt. Hierzu wurden bestehende Schattenbäume bzw. neue Flächen gerodet, mit weitreichenden Folgen für die Biodiversität und starker Zunahmen der Bodenerosionen. Nach Angaben des WWF ist beispielsweise bei den 25 wichtigsten Kaffeeexporteuren zwischen 1990 und 1995 ein jährlicher Waldverlust von rund 70.000 m2 zu verzeichnen. Beispielsweise bei Vögeln geht dies mit einem Verlust von rund 90% der Artenvielfalt einher. Der gestörten Balance zwischen Schädlingen und Nützlingen, die sich meistens bei Monokulturen zeigt, wird oftmals durch einen verstärkten Einsatz von Pestiziden begegnet und der Nährstoffbedarf der Hochertragssorten in der Regel mit Kunstdünger gedeckt.

Ein weiterer Aspekt bei der Biodiversität bei Kaffee liegt in der Kaffeepflanze selber. Durch die Massenproduktion und die damit einhergehenden Ansprüche an die Ertragsleistung der Kaffeesorten bleibt, wie so häufig bei Kulturpflanzen die genetische Vielfalt zunehmend auf der Strecke. Die Gefahr besteht im Verschwinden widerstandsfähiger Sorten (die geringere Anforderung an Düngung, Pestizideinsatz etc. stellen) oder auch der Wildpflanzen selber. Die genetische Vielfalt ist dabei auch Grundlage, um bei veränderten Umweltbedingungen (Trockenheit, Krankheitsdruck, Epidemien etc.) Sorten züchten zu können, die besser an die veränderten Umweltbedingungen angepasst sind und somit eine geringere Umweltbelastung durch Herbizide/Pestizide oder Bewässerung ermöglichen.

Als Kaffeeröster (Röstrausch –die faire Kaffeemanufaktur) ist es mein größtes Anliegen, die Rohkaffees so einzukaufen, dass möglichst viel Geld bei den Anbauern hängen bleibt und dass das auch denen die den Kaffee (z.B. Café Libertad, fairbindung e.V., Mitka) einkaufen am Herzen liegt. Eine vernünftige Entlohnung und eine Vorfinanzierung spielen natürlich auch eine Rolle, um nachhaltige Anbaumethoden mit eventuell geringeren Erntemengen gestalten zu können. Ein biozertifizierter Kaffee ist dabei aber nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Schattenbaumkultur, legt aber verstärkt Wert auf einen nachhaltigeren Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Insofern bin ich auch bemüht möglichst biozertifizierte Kaffees zu kaufen, sehe aber die Problematik, dass die Zertifizierung zunächst mit hohen Kosten für die Anbauer verbunden ist. Insofern kaufe ich z.B. über Café Libertad auch nicht zertifizierte Rohkaffees von kleinen Kooperativen, deren Anbausysteme und -methoden nichts mit riesigen Kaffeemonokulturen zu tun haben.
Insgesamt sehe ich den richtigen Weg darin, dass die Anbauer genügend Geld mit dem Anbau guter Qualitäten in vernünftigen Strukturen verdienen, die keine hochintensiven Anbaumethoden und eine immer weitere Rodung von Wäldern verlangen. Wenn dadurch sogar die Verbreitung der Schattenbaumkultur oder zumindest ein immer nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen vor Ort möglich ist, dann ist das nach meinem Verständnis ein weiterer positiver Schritt in einem ernst genommenen fairen Handel.
Zur Erhaltung der Wildkaffeebestände gibt es mittlerweile einige Projekte (vor allem in Äthiopien). Mittlerweile habe ich auch einen fairtrade zertifizierten Wildkaffee finden können und mit in unser Programm mit aufgenommen.
Unser Espresso Intensiv besteht in etwa zu gleichen Teilen aus einem Honduras (Comucap), einem Mexico (Yochin – Schattenbaum Anbau) und einem Costa Rica (Coope Agri). Der Costa Rica ist kein zertifizierter Biokaffee. Er stammt von einer kleinen Kooperative, für die die Umstellung eine große finanzielle Hürde bedeutet. Der Kaffee wurde aber getestet und enthielt keine Pestizid oder Düngemittelrückstände. Eine Umstellung ist wohl in den nächsten Jahren geplant.

Quellennachweis:
http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2005/2018/pdf/SiemonElisabeth-2005-02-15.pdf
http://www.gartencoop.org/freiburg/node/215
http://www.elisabethkaffee.de/index.php/comucap/bericht-von-josefina-jimenez/
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee
http://www.biodiversity.de/index.php/de/fuer-presse-medien/aktuelles-news/pressemitteilungen/1568-der-wilde-kaffeebaum-als-versicherung-der-heissen-tasse-am-morgen
http://www.biodiversity.de/index.php/de/component/content/article/114-experteninterviews/1551-interview-gatzweiler
http://www.bfn.de/0401_pm.html?&cHash=184dca919c&tx_ttnews%5BbackPid%5D=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3162
http://www.biodiversity.ch/d/services/information_service_ibs/detail.php?id=576
http://www.elisabethkaffee.de/index.php/comucap/bericht-von-josefina-jimenez/
http://www.dgiovannucci.net/publications.htm#StateofSust