Leben im Bauwagen oder Kunstwerke der Natur

anfang seit den Anfängen des Hofes lebten immer einige Menschen in Bauwägen. Zu Anfang ging das auch gar nicht anders, weil es nicht genug bewohnbare Zimmer für alle gab. Die Wohnsituation hat sich im Laufe der Jahre aber immer weiter verbessert, zunächst mit dem Ausbau von Zimmern in den bestehenden Gebäuden und dann natürlich mit dem „Neubau“. Heute gibt es, neben mehreren kollektiv genutzten Räumen, einige sehr schöne Zimmer zum Wohnen.
Hornissen-1
Alle, die heute noch in Bauwägen leben, tun dies aus Überzeugung – weil sie Lust darauf haben! Ich genieße es z.B. sehr direkt vor meiner „Haustür“ gleich mitten in der Natur zu stehen und mir dort die Zähne zu putzen, während ich die Sterne anschaue. Und mein Bauwagen ist für mich ein guter Rückzugraum, in dem ich es mir es sehr gemütlich machen kann. Dass der Bauwagen gemütlich ist, fanden diesen Sommer auch noch andere…, sie zogen ein und wuchsen schnell zum Großkollektiv.
Hornissen am bauwagen
Bei starkem Regen sind meine Fenster leider nicht ganz dicht. Wenn ich verreise, schließe ich deshalb zum Schutz die Fensterläden. Als ich Ende Sommer nach längerer Abwesenheit wieder nach Hause kam, wurde ich von den anderen auf dem Hof gewarnt, bloß nicht den rechten Fensterladen zu öffnen, sonst würden meine „UntermieterInnen“ ziemlich sauer und aggressiv werden. Hunderte Hornissen hatten es sich zwischen dem einen Fensterladen und Fenster gemütlich gemacht und ein großes, beeindruckendes Nest gebaut – ein wahres Kunstwerk!
Bauwagen mit hornissen
Von außen erkannte man in dem einen Luftloch im Fensterladen bei genauem Hinschauen die Abflugrampe der Hornissen. Aber von innen, durch die Fensterscheibe, war das faszinierende Innere des Nestes zu sehen. Sie hatten von oben nach unten kunstvolle Stockwerke aus hunderten von Waben gebaut. In jeder nach unten zeigenden Wabe saß, wie ein kleines weißes Bällchen, eine weiße runde Schutzschicht über den Larven in den Waben. Unzählige Hornissen krabbelten emsig hin und her, einige waren kontinuierlich am Bauen, andere kümmerten sich um die Nachzucht und andere schienen ein Nickerchen zu halten. Eigentlich unbeschreiblich!
Hornissen am Fenster am bauwagen
Schnell war klar, dass ich dieses Nest nicht entfernen kann. Einmal, weil es so ein spannendes lebendiges Kunstwerk ist und außerdem sind Hornissen geschützt. Wie ernst es dem Naturschutz damit ist, zeigen die potentiellen Strafen, die für besonders fieses und umfassendes zerstören von Hornissen-Nestern drohen – nämlich bis zu 5 Jahren Gefängnis und in MeckPomm bis zu 20.000 € Strafe. Und außerdem haben es Hornissen und andere Tiere eh schon schwer genug. In unserer Region wird zunehmend das Totalherbizid Glyphosat zum Todspritzen der Äcker nach der Ernte eingesetzt.
Hornissen am Bauwagen
Der Hornissen-Nest-Schaukasten in meinem Fenster war eine große Attraktion. Ich hatte öfter „Schaulustige“ zu Besuch und alle waren ziemlich beeindruckt und ich bin ein bißchen zur Hornissen-Spezialistin geworden. So weiß ich jetzt, dass eine friedliche Koexistenz ganz gut geht. Eigentlich sind sie nicht aggressiv, es ist nur gut einen gewissen Abstand von ihrer Flugschneiße zu halten. Ihr Ziel ist es möglichst viele Königinnen aufzuziehen. Sie sind nachtaktiv und ihre Ausscheidungen stinken! Davon, und dass sich darin unzählige Maden und Würmchen auf meiner (äußeren) Fensterbank tummelten, war ich allerdings weniger begeistert.

So bin ich doch ganz froh, dass die „Untermiete“ zeitlich befristet ist! Wenn es kalt wird und der erste Frost kommt, suchen sich die Königinnen ein Erdloch oder ähnliches, in das sie sich über den Winter verziehen. Alle anderen, die Drohnen und Arbeiterinnen sterben. Im nächsten Frühsommer beginnt jede Königin mit einem neuen Nest – nicht am gleichen Ort, aber gerne in der Nähe!

Aber erst mal schön, wenn der Winter kommt. Dann kann ich wieder meinen Fensterladen aufmachen und aus dem Fenster über die winterlichen Felder schauen, während der Ofen drin es gemütlich und warm macht!


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