Hallo Freud*innen der Saft-Vielfalt und Gemüseliebhaber*innen,

ihr haltet den Begleitzettel der Juli-Variante des Bio-Div-Abos in euren Händen, diesmal mit:

>>> Spitzkohl aus der Kommune Güstriz
>>> einmal Salat aus Börnecke
>>> Mairübchen auch aus Bornecke
>>> roter Jasminreis über Gepa bezogen
>>> Apfel-Mango-Quitten-Saft von der Mosterrei Ketzür
>>> Maniok Chips India-style über El-Puente

Variationen möglich mit
>>> Birnensaft von der Mosterrei Ketzür
>>> Brot aus historischem Getreide, gebacken in der Backstube

Die jeweilige Zusammensetzung variiert, der Warenwert ist immer ca. 18 € (Variationen nötig und möglich, u.a. wegen den angegeben Einschränkungen, bzw. individuellen Wünschen).

Das Abo besteht wie immer aus gentechnikfreien Zutaten, historischen Sorten und Saft aus regionalen Äpfeln/Birnen/Quitten und Gemüse.

So, nun ist der Sommer fast da, (OK Berliner*innen jammern gerne über das Wetter), aber im Abo kann mensch es sehen etwa anhand des Pflücksalates.
Im Umfeld wird der ein oder andere Urlaub geplant, alleine, zu zweit, in abgelegene Gebiete oder zu Konferenzen und Actionscamps. Wenn Ihr das lest gibt es in der Nähe von Amsterdam das ‚Ground Control – Camp‘ an agriculture and climate action camp ! Und zwar vom 1. bis 8 Juli 2015. Weitere Infos: https://www.groundcontrolcamp.net/

Im August, passend nach dem nächsten Bio-diversitäts-abo, kann mensch zur Degrowth-Sommerschule zum Thema Klimagerechtigkeit ins Rheinland fahren, die ist vom 9.-14. August 2015. Mit dem Schwerpunktthema Klimagerechtigkeit, findet sie gleichzeitig zum Klimacamp statt. Auf dem, und deswegen der Bogen dahin, wird es ein Landwirtschaftsschwerpunkt geben. Damit werden die Diskussionen um Klimagerechtigkeit, Postwachstum und Landwirtschaft verbunden!
Um praktisch zu werden gibt es im Anschluss der Sommerschule und des Camps, am 15. August, eine Demonstration für Klimagerechtigkeit und eine große Aktion des zivilen Ungehorsams.

Alle Infos und Mehr:
http://www.degrowth.de/de/sommerschule-2015/
https://ende-gelände.org/

Zum Inhalt:
>>> Spitzkohl aus der Kommune Güstriz

Ist Kohl nicht ein La­ger-, bzw. Win­ter­ge­mü­se?
Nicht immer, da er hervorragend wächst kann er auch schon relativ früh geerntet werden. Aus Güs­triz kam der Vor­schlag, im Sommer mit Spitz­kohl zu star­ten. Eigentlich kann Spitzkohl, unter Folie angebaut, bereits ab Mai ge­ern­tet wer­den. Er kann wie Wir­sing oder Weiß­kohl ge­kocht wer­den, wegen sei­ner zar­ten Blatt­struk­tur ist die Garzeit je­doch kür­zer und er eig­net sich ausgezeichnet für Sa­la­te und als Roh­kost.

>>> einmal Salat aus Börnecke
diesmal gibt es je einmal Salat – verschiedenen samenfesten Salat-Sorten. Ludwig hat es nett formuliert ‚denn ich hab nämlich viele Sorten angebaut. Sie sehen alle interessant und ein bisschen ungewöhnlich aus.‘

Was bedeutet samenfest?
Als sa­men­fest wer­den diejenigen Sor­ten be­zeich­net, von denen mensch im Gar­ten selbst Samen ge­win­nen und nach­bau­en kann, ohne dass die Ei­gen­schaf­ten der Sorte in der nächsten Generation/Saison ver­lo­ren gehen! Die im Su­per- oder Bau­markt ver­kauf­ten Sämereien sind meis­tens Hy­brid­sor­ten. Die müssen eigentlich mit dem Zusatz F1gekennzeichnet sein. Aber warum überhaupt Hybrid-Sorten?
Hybrid-Saatgut ist auf mehreren Ebenen gut für die industrielle Landwirtschaft. Auf dem Feld zeichnen sich Hybrid-Züchtungen durch eine große Gleichförmigkeit (in Geschmack, Form, Größe und Reifezeitpunkt) aus. Damit lässt sich dann, der kapitalistischen Sichtweise folgend, effizienter handeln (in größeren Margen, europaweit, mit vermeintlich weniger ‚Schwund‘, …).
Die Gurke ist dafür ein gutes Beispiel: Es wird behauptet, die Kund*innen würden grade Gurken wollen. Den meisten Verbraucher*innen ist es tatsächlich total Schnuppe, ob die Gurke eine Krümmung hat. Aber der Handel/dessen Lobby hat die Einführung von bestimmten Handelsklassen gefordert. Damit der Großhandel aus Deutschland ‚über die gleiche Qualität‘ spricht wie der Zwischenhandel in Spanien, Griechenland oder Holland, wenn über Handelsklasse 2 gesprochen wird. In der Handelsklasse „Extra“ darf die Gurke maximal eine Krümmung von zehn Millimetern auf zehn Zentimetern Länge aufweisen.
Und in der Größenordnung, in der Gemüse weltweit gehandelt wird, ist es dann auch wichtig, alles genau kalkulieren zu können. Da ist dann eine ‚effiziente‘ Gurke, von der immer 12 Stück in eine Kiste passen, sinnvoll. (Ich spreche mich damit nicht per se gegen eine gewisse Effizienz aus! Aber die Frage ist ja: ist es überhaupt sinnvoll, Gemüse, etwa aus Spanien, soweit zu transportieren?)

Hybrid-Saatgut kann mensch nicht selbst vermehren. Zwar wollen sowieso nicht alle Gärtner*innen ihr Saatgut selbst gewinnen, aber dennoch ist vielen die Frage, wie es vermehrt worden ist, wichtig. Ein Großteil der samenfesten Sorten wird in kleinen Betrieben produziert, sie sind regional angepasst(er) und haben Eigenschaften, die Klein(st)-Produzent*innen benötigen, wie z.B. eine längere Ernte-Periode, statt einer Zucchini-, Gurken- oder Tomaten-Schwämme innerhalb von 2-3 Wochen.

Wenn mensch das Saatgut einer Hybridsorte gewinnt und aussät, werden Samen mit ganz verschiedenen Eigenschaften keimen, so wie sie im Ausgangssaatgut vorhanden waren. Das kann dann so aussehen, dass ein großer, gelber, schmackhafter Mais im nächsten Jahr kleine, rote Kolben hat, die zwar noch schmecken, aber mickrig sind und gleichzeitig gelbe, fast geschmacklose, ganz große Kolben trägt. Das ist ein ‚Trick‘ der Saatgut-Monopolisten, um die Leute als Kun­d*in­nen an sich zu bin­den und zum erneuten Kau­f zu zwin­gen.
In man­chen Län­dern, wie beispielsweise Me­xi­ko, gibt es bei bestimmten Ge­mü­sesorten bereits keine sa­men­fes­tes und re­gio­nal an­ge­pass­tes Saatgut mehr. Diejenigen, die diese Gemüsesorten anbauen, haben dadurch bereits ihre Un­ab­hän­gig­keit von Finanz- und Saat­gut­kon­zer­nen ver­lo­ren.
Das Vorhandensein sa­men­fes­ter Sor­ten ist die Voraussetzung dafür, dass viele Men­schen un­ab­hän­gig ihr Saat­gut selbst ge­win­nen, se­lek­tie­ren und re­gio­nal an­ge­pass­tes Saat­gut züch­ten kön­nen.

Kleine Zusatz Information: Die Vermehrung als Hybriden gibt es auch in freier Wildbahn, denn auch dort kommt es manchmal zu Befruchtungen zwischen verwandten Arten aus unterschiedlichen Gründen.

>>> Mairübchen auch aus Bornecke
Das Mairübchen, auch „Navette“ genannt, ist eine Gemüsepflanze mit essbarer Wurzel und Blättern. Die Blätter können wie Spinat verarbeitet werden (in manchen Gegenden werden auch nur die Blattstiele als Rübstiel gegessen), die Rübe selbst wird roh oder gedünstet gegessen.
Die weiß-lila oder weiße Rübe ist eine alte Kulturpflanze aus Indien, die schon in der Antike genutzt wurde. Sie spielte vor der Einführung der Kartoffel im europäischen Raum als Grundnahrungsmittel eine wichtige Rolle. Sie ist reich an verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß und hat kaum Kalorien. Die Schale enthält einen relativ hohen Anteil an Senfölen und erinnert deshalb geschmacklich an Rettich und Radischen. Wem das so roh verzehrt zu scharf wird, kann die Schale entfernen.
Das Mai-Rübchen ist eine besondere Form der Speiserübe. Sie ist eng verwandt mit den regionalen Teltower Rübchen und der Herbstrübe. Letztere wird aber später geerntet und wird etwas größer. Mairüben tragen ihren Namen, weil sie im zeitigen Frühjahr gesät werden und ab Mai geerntet werden können.

>>> roter Jasminreis über Gepa bezogen
warum immer beim Gemüse auf Vielfalt achten und bei den ‚Beilagen‘ nicht, Reis muss nicht immer weiß sein, und erfreulicherweise haben auch viele der fair-Handels-Organisationen eingesehen das es sinnvoll ist, auch über den Handel Vielfalt zu fördern.

>>> Maniok Chips India-style über El-Puente
Was mensch ja auch mal bei Chipsen bedenken kann, (es geht hier nicht um ein propagieren von hemmungsloses Importieren von Lebensmitteln!!! – sondern um ein aufzeigen wie Divers essen sein kann, oder eher, wie sehr wir uns schon an eine Gewisse Einfalt gewöhnt haben ;-)

>>> Apfel-Mango-Quitten-Saft von der Mosterrei Ketzür

Variationen möglich mit

>>> Birnensaft von der Mosterrei Ketzür
>>> Brot aus historischem Getreide, gebacken in der Backstube

Seit dem Juni wird das Brot mit Fuchsweizen vom Ulenkrug gebacken, das Brot ist ein Weizenmischbrot mit Roggenflocken.

Warum Fuchsweizen?
Der Name Fuchsweizen kommt daher, dass die Ähre rötlich schimmert und begrannt ist. Die meisten Weizensorten sind ‚unbegrannt‘.
Der Fuchsweizen ist im eigentlichen Sinn keine eigene Sorte, sondern eine „Hofsorte“, d.h. eine Mischung, verschiedener Weizensorten, die sich in der Zusammensetzung selbst dem Standort anpasst, also in seiner Erscheinung nicht so einheitlich. Solche Hofsorten sind im normalen Handel nicht zu bekommen, im Handel soll es ja immer einheitlich sein (wie oben schon bei den Hybvrid-sorten beschrieben) was auch Vor- und Nachteile hat. Der Fuchsweizen, den der Hof Ulenkrug anbaut, kommt ursprünglich von Dreschflegel und wird jetzt auf dem Hof selbst vermehrt.

Genießt das Leben, die Lebensmittel, viel Spaß beim Kochen und Salate zubereiten!

Na dann, juten Hunger

HERBiE
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