Hallo Kochbegeisterte, Agrarbiodiversität-Interessierte und Genießer*innen,

Da ist er nun fast schon, der Frühling. Mal schauen, ob sich der in den letzten Monaten erarbeitete Anbauplan mit den Gärtner*innen nach vorne verschiebt oder sich alles ungefähr wie geplant, realisieren lässt.
Soviel vorne weg, es wird weiterhin mit der Kommune Güstriz, mit Ludwig in Börnicke und dem Hofkollektiv Bienenwerder zusammen gearbeitet, mensch könnte es Vertragsanbau nennen. Zudem ist geplant, mit einigen Gärtner*innen zusammenzuarbeiten, die sich an einem gemeinsamen Projekt der HU und von Vern e.V. für eine On-farm Erhaltung von alten Gemüsesorten beteiligen. Die ersten Vorgespräche sind bereits gelaufen. Zudem wird es in diesem Jahr eine größere Auswahl an Gemüse aus samenfesten Saatgut geben.
Die nun gut zweijährige Erfahrung mit dem Abo lässt mich mit mehr Gelassenheit zu diversen Netzwerkstreffen gehen. Schnittstelle ist nicht mehr völlig unbekannt und das Abo steht schon längst nicht mehr als absurde Idee da … Ich freue mich auf die kommende Saison!

In diesem Monat gibt es in der Abo-Kiste:
>>> 0,7 kg samenfeste Möhren, aus regionalem Anbau
>>> 200 Gr. Räucher-Tofu mit Sonnenblumenkernen, von Soy-Rebels
>>> 500 Gr. Calypsobohnen, bezogen über El-Puente
>>> 1 Liter Apfel-Birnen-Mango Saft, gemostet in der Mosterei Ketzür
>>> 2 Flaschen Emmer-Bier oder wahlweise eine zweite Flasche Saft

Die jeweilige Zusammensetzung in den Kisten variiert (Variationen sind nötig und möglich! U.a. wegen angegebener Einschränkungen, bzw. individueller Wünsche)

In den letzten Wochen habe ich mich mit dem Gemüse-Anbauplan für die Abo-Kiste 2014 beschäftigt. Von Januar bis Februar planen die meisten Betriebe ihre Gartensaison und nutzen so die Zeit in der kaum etwas im Garten gemacht werden kann. Sie tauschen und bestellen das noch fehlende Saatgut und ziehen Setzlinge vor. Für die Abo-Kiste ist dies zwar die ‚Durststrecke‘ des Winters, aber dank des vorhandenen köstlichen Lagergemüses wird es hoffentlich trotzdem nicht langweilig.

>>> 0,7 kg samenfeste Möhren, aus regionalem Anbau
Die Möhren sind diesmal nicht bunt, weiß oder violett, aber, und das ist das wichtige, es ist eine samenfeste Sorte.
Was das heißt? Als samenfest bezeichnet mensch die Sorten, von denen im Garten selbst Samen gewonnen und nachgebaut werdem können, ohne dass die Eigenschaften der Sorte verloren gehen! Eine gewisse Selektion muss zwar stattfinden, da es immer natürliche Varietäten gibt, aber mit ein wenig Übung kann eine Sorte erhalten und weiterentwickelt werden. So lässt sich beispielsweise die Form, der Geschmack und andere Eigenschaften einer Sorte erhalten oder über Jahre hinweg eine bessere Anpassung an die jeweiligen lokalen, klein-klimatischen Verhältnisse erzielen.
Das im Super- oder Baumarkt verkaufte Saatgut ist meist nicht samenfest. Dort werden in der Regel Hybridsorten verkauft, die nur im ersten Jahr ertragreich sind, bzw. im ersten Jahr die Eigenschaften aufweisen, die die Verpackung verspricht. Wenn mensch daraus Samen gewinnt, ’spaltet‘ sich das Erbgut in die Ausgangssorten zurück und die eigentlich erworbenen Eigenschaften sind hinüber. Das ist ein wirksames Mittel um die Leute als Kund_innen zu binden und dazu zu zwingen immer wieder neues Saatgut zu kaufen.
In manchen Ländern, z.B. in Mexiko, gibt es, vor allem beim Gemüse, kaum noch samenfeste und regional angepassten Sorten. Die Unabhängigkeit von Geld und Saatgutkonzernen ist so verloren gegangen.
Biologische Vielfalt = Biodiversität ist nicht aus ästhetischen Selbstzweckgründen wichtig (jedenfalls nicht in erster Linie), sondern weil sich eine soziale und ökologische Landwirtschaft nur so funktionieren kann. Samenfeste Sorten sind die Voraussetzung dafür, dass viele Menschen ihr Saatgut selbst gewinnen und selektieren können, ums so regional angepasstes Saatgut zu züchten.

>>> 200 Gr. Räucher-Tofu mit Sonnenblumenkernen, von der kollektiven Tofu-Manufaktur Soy Rebels.
Es gibt noch einmal einen Tofu, hergestellt mit Soja-Bohnen und Sonnenblumenkernen aus Deutschland, von Soy Rebels. Das ist speziell, denn obwohl auch Sonnenblumenkerne in Deutschland und Mitteleuropa wachsen, kann mensch es nur selten hier in Läden kaufen. Auch in Bio-Läden wird oft nur entsprechende Ware aus China, Rumänien, Argentinien und Kanada angeboten. Soy Rebels verwendet Kerne von der „Organisch Biologischen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe“

>>> 500 Gr. Calypsobohnen, bezogen über El-Puente
Vielfalt erhalten durch aufessen gilt in diesem Monat auch für Calypso-Bohnen. Diese Sorte wird in kleinbäuerlichen Strukturen angebaut und über fairen Handel vertrieben. El Puente, ein Importeur von Faire-Trade-Produkten nach Deutschland, engagiert sich mittlerweile auch für den Anbau und die Erhaltung traditioneller, bzw. „regional angepasster“, samenfester Sorten.

>>> 1 Liter Apfel-Birnen-Mango Saft, gemostet in der Mosterei Ketzür und wahlweise 2 Flaschen Emmer-Bier oder eine zweite Flasche Saft

Zum Thema Saft wurde von Schnittstelle schon so einiges geschrieben. Im Angebot gibt es diverse Mischsäfte auf der Grundlage von Apfelsaft, gemischt mit anderen regionalen Obstsorten oder Gemüse, oder auch mal mit 20% fair gehandeltem Mango-Saft aus den Philippinen.
Aber Bio-Diversität lässt sich natürlich nicht nur als Saft trinken. Die Brauerei ‚Riedenburger Brauhaus‘ aus Niederbayern produziert verschiedene Biere aus historischen Getreidesorten: Hirse-, Einkorn-, Dinkelradler- und auch ein Emmerbier. Hirsebier kann gut bei einer Glutenunverträglichkeit getrunken werden. Letzteres ist diesmal in der Kiste vertreten. Demnächst kommen auch mal Probeflaschen einer in Gründung befindlichen, kollektiv-betriebenen –Brauerrei. Geplant ist u.a. ein Haferbier zu brauen. Mal schauen, wie es schmeckt und vielleicht kommt es dann auch mal in die Kiste, damit ihr es probieren könnt.

Wer Lust auf einen Kino-Abend mit einem Fokus auf Honig hat, dem sei der Film ‚Der Imker‘ sehr empfohlen. Eine sehr spannende, interessante Dokumentation über einen kurdischen Imker der in der Schweiz imkert und darüber auch wieder Freunde findet.

DER IMKER (OmU) CH 2013, Regie: Mano Khalil Dokumentarfilm, 107 Min.
Ein alter Mann auf einer Wiese, der lächelnd inmitten laut summender Bienen steht. Sie sind seine Freunde, so wie er ihr Freund ist. Ein idyllisches Bild in einer idyllischen Landschaft. Doch der Schein trügt, denn Ibrahim Gezer ist alles andere als ein Bilderbuch-Großvater. Auf der Flucht vor der türkischen Regierung musste sich der Kurde jahrelang in den Bergen verstecken. Er war inhaftiert und verlor seine Frau und all seine Besitztümer, bis er endlich in die Schweiz gelangte.
Ebenso behutsam wie ruhig entwickelt sich diese Geschichte eines Helden wider Willen, der ein bisschen Schwejk ist und ein bisschen Don Quijote, aber vor allem immer Ibrahim Gezer: naturverbunden, unglaublich liebenswürdig und ein Familienmensch mit einem sehr großen Herzen. Ein bisschen schlitzohrig ist er auch noch, aber das ist ganz hilfreich angesichts der Schweizer Bürokratie, die ihm zwar Geld für Möbel bewilligt, aber nicht für Bienen. Denn Bienen sind ja nur ein Hobby … Aber ihnen gehört seine ganze Leidenschaft. Sie haben ihm das Leben gerettet, als er auf der Flucht war, und sie sind die einzige Konstante, auf die er sich immer verlassen kann.