Hallo Freunde, kochbegeisterte und Genießer*innen der Agrarbiodiversität,

ihr haltet die Mai-Variante des Bio-Div-Abos in euren Händen.

Leider ist manchmal der Wurm drin, anders kann es nicht beschrieben werden.
Geplant waren eigentlich Eier von ‚Zwei-Nutz-Hühnern‘ vom Projekt Ei-care. Die waren schon letzte Woche bestellt (über ein befreundetes Projekt), sie wurden geliefert und fälschlicherweise gleich wieder verkauft… grrrrrrr!
OK, Ersatz muss her, für die Kiste und auch inhaltlich, gerne was Frisches, draußen ist doch Frühling.
Also versuche ich was „biodiverses“ aufzutreiben, was derzeit schwer möglich ist. Die Idee war dann Gurken, sogenannte ‚Verarbeitungsware‘ in die Kiste zu tun, um wiedermal die Absurdität des (auch Bio-)Handels aufzuzeigen.
Die „EU Verordnung Nr. 1677/88/EWG zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken“ wurde vor ca. 5 Jahren außer Kraft gesetzt. Sie hatte u.a. festlegte, „dass eine Gurke der Handelsklasse „Extra“ maximal eine Krümmung von 10 mm auf 10 cm Länge aufweisen durfte“. Hättet ihr euch auch gedacht: Was soll das denn, das ist doch eine normale Gurke, und so was wird aussortiert ? Diese Gurken waren dann aber doch nicht lieferbar.

OK, teilweise werden solche Gurken dann in der Gastronomie verarbeitet, aber z.b. bei Kartoffeln, bleiben 20-30% auf dem Feld zurück, weil sie zu klein oder zu groß sind (für die Erntemaschine, für die Verbraucher, für die Weiterverarbeitung), Risse in der Schale haben oder nicht schön rund sind… . Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass nur die Hälfte aller gewachsenen Kartoffeln verzerrt wird.
Um weniger ‚Ausschuss‘ zu haben wird bei Chicorée deswegen, auch im Bio-Anbau Hybrid Saatgut verwendet, da es eine gleichmäßigere Ernte verspricht.

Während den gut zwei Jahren, seitdem das Biodiv-Abo besteht, hatten wir normalerweise immer so was wie einen Notnagel, (bunter Reis, ’nen Mischsaft oder was ähnliches) im Depot, um Engpässe (wie eingeplantes Gemüse, was dann nicht schnell genug reif geworden ist) abzufangen und euch eine spannende, runde, …..Kiste liefern zu können. Tja, wegen des Umzugs, ist der Notnagel noch nicht wieder aufgefüllt worden.
Scheint irgendwie der Wurm drin zu sein!

++Und dann, während dieser Text geschrieben wird ++ ein Anruf von Ludwig einem befreundeten Gärtner: „Brauchst du weiße Radieschen?“++++Und direkt danach noch ein anderer Anruf: „Ei-Care-Eier“ doch wieder (als lose Ware) lieferbar!“=> also die Kiste doch wieder (zurück) umstellen ++++++ die Produkte-Abhol-Tour umplanen ++++++++

Und so gibt es diesen Monat folgendes in der Kiste:
>>> 1 Bund weiße Radieschen Sorte ‚Eiszapfen‘ aus Börnecke
>>> 4 Eier vom Projekt Ei-Care
>>> ‚rotes Hafer Bier‘ vom Berliner Kollektiv spentcollective.de
>>> Apfel-Wurzel-Saft von der Kommune Karmitz
>>> Brot aus Einkorn/Weizen/Roggen von der Kollektiv-Bäckerei Die Backstube
>>> 0,5 kg schwarze Bohnen bezogen über El-Puente
>>> Aufstrich auf Hanf-Saat-Basis aus Berlin

Die jeweilige Zusammensetzung variiert
(Variationen nötig und möglich, u.a. wegen den angegeben
Einschränkungen, bzw. individuellen Wünschen )

>>> 1 Bund weiße Radieschen Sorte ‚Eiszapfen‘
Letzte Jahr waren sie eingeplant Radieschen-Sorte ‚Eiszapfen‘, aber der lange Winter machte uns 2013 einen Strich durch die Rechnung. Und da diese Sorte relativ punktgenau zu ernten sind, hatten wir sie dieses Jahr aus der Planung gestrichen. Nun hat aber Ludwig sie doch angebaut und einen Schwung ‚zu viel‘, (und diesen Monat punktgenau angerufen!) also könnt ihr sie genießen.

>>> 4 Eier vom Projekt Ei-Care
Letzten Monat waren Eier wieder viel Thema, Ostern und Eier gehören einfach für viele zusammen. Bei der ‚modernen Eier-Produktion‘ werden nur Hühner gebraucht, aber was passiert mit den Hähnen?
In der Regel werden sie kurz nach dem schlüpfen ‚homogenisiert‘, geschreddert, …….. .
Das Projekt Ei-Care (http://www.aktion-ei-care.de) propagiert ganz bewusst eine Zwei-Nutzungsrasse, das französische Zwei-Nutzungshuhn ‚Les Bleus‘. Sie setzen auf Vielseitigkeit, statt auf Spezialisierung (nur Eier-Produktion, oder nur Fleisch) und vertreiben, Eier und auch das Fleisch, z.b. als Suppenhuhn (z.b. über Kraut und Rüben am Heinrich-Platz mit Vorbestellung zu beziehen). Bauern die ähnliche Projekte haben, produzieren in der Regel für Ihre Stammkundschaft.
Es gibt zwar noch den Züchterverein für Maran-Hühner (www.marans-club.de), aber die setzten in ihrem züchterischen Tun auf die Schönheit der Tiere.

In diesem Zusammenhang ist der Fleischatlas, herausgegeben von BUND und Böll-Stiftung, mit seinen weiterführenden Infos, Daten und Fakten zu „Tiere als Nahrungsmittel“ zu empfehlen.
Auf Seite 26 steht beispielsweise der Artikel: „Industrielle Zuchtlinien statt traditioneller Tierrassen“. Er erklärt die Gefahren der genetischen Verarmung bei Tierrassen und der (Macht- und Markt-) Konzentration in der Tierzuchtbranche. Zitat aus dem Text: „Ein Zuchthahn bringt bis zu 28 Millionen genetisch ähnliche Nachkommen.“
Der Fleischatlas 2013 kann als .pdf aus dem Netz runtergeladen werden.

>>> ‚rotes Hafer Bier‘ vom Berliner Kollektiv spentcollective.de
Dass Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser bestehen darf, ist ja so eine ‚deutsche‘ Idee. Nun gibt es in Berlin aber zur Zeit eine Szene von Kleinbrauereien, die, sage wir mal, eher experimentell unterwegs ist. Und in dem Zuge hat sich auch ein Kollektiv gegründet. Sie stellen ein Bier her, das neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser auch Hafer enthält. Ein etwas ungewöhnlicher Geschmack, der mich als ‚nicht Bier-Trinker‘ begeistert hat.

>>> Brot mit Einkorn von der Kollektiv Bäckerei Die Backstube
Einige von euch bekommen ja schon monatlich ein Brot, was im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Backstube monatlich gebacken wird und auch in ein paar Läden vertrieben wird. Aus Infrastruktur-Gründen hat diesen Monat die erste Hälfte der Abo-Kisten ein Brot drin. Nächsten Monat bekommt dann die zweite Hälfte ein Brot.
Zur Zeit wird ein Einkorn, Weizen, Roggenbrot gebacken. Wir sind gerade daran den Rhythmus umzustellen und zwei mal im Monat ein Biodivers-Brot anzubieten und dann auch mit einer anderen Sorte historischem Getreide.

Teilweise ist auch mal wieder Hanf in der Kiste. Es gab ja schon mal in Berlin gefertigten Tofu mit gerösteten Hanfsamen. Nun gibt es einen Aufstrich auf der Basis von Hanf-Saat. Auch wenn der Aufstrich bestimmt keine bewußtseins-erweiternde Qualitäten hat, ist er doch eine leckere Alternative aufs Brot.

Weiterhin einen schönen Frühling wünscht

HERBIE
für das Projekt Schnittstelle

PS: Das nächste Abo kommt am Mittwoch den 11/Donnerstag den 12 Juni!