Hallo Freud*innen der Getreide­Vielfalt und Saft­Genießer*innen

ihr haltet die April­Variante des Bio­Div­Abos in euren Händen, diesmal mit:
>>> Brot aus der Backstube
>>> diversen Säften aus den Mosterei Ketzür und Karmitz
>>> Kamut­Pasta von der Genossenschaft Iris
>>> Rotwein aus der Kommune Urupia
Variationen möglich mit
>>> Hartweizen­Pasta von der Genossenschaft Iris

Die jeweilige Zusammensetzung variiert, der Warenwert ist immer ca. 18 € (Variationen nötig und möglich, u.a. wegen den angegeben Einschränkungen, bzw. individuellen Wünschen)

Das Abo besteht wie immer aus gentechnikfreien Zutaten, historischen Sorten und Saft aus regionalen Äpfeln und weiterem Gemüse.

Auch wenn das Wetter nicht so richtig danach Aussieht ist nun die Zeit, wo es mal zu einer Kiste kommen kann, in der kaum bis gar keine frischen Waren vertreten sind. Lagergemüse ist mehr oder weniger durch, Kartoffeln sollten es nicht schon wieder sein und auch Wurzelgemüse ist diesen Winter schon gut vertreten gewesen.Hin und wieder kommt dann
auch noch ne kleine Unwägbarkeit bei den Kleinproduzent*innen und den kleinteiligen Strukturen dazu (eigentlich sollte Wendland­Tofu im Abo vertreten sein, hat aber mit dem Tag der Produktion und dem Liefern nicht gepasst – schade). Und so gibt es diesen Monat nichts Frisches.Aber so wie es gerade aussieht kann es sein, dass es dieses Jahr nur eine Kiste ohne Gemüse gibt – lasst euch überraschen.

Zum Inhalt an sich:
>>> Brot aus der Backstube
Seit gut einem Jahr gibt es nun das Projekt ‚Brot aus Historischem Getreide‘ von Schnittstelle initiiert, zusammen mit Ziska von der Backstube. Zweimal im Monat backt die Backstube ein Bio­Div­Brot, ein paar Abonehmer*innen haben es im Abo, diesen Monat ist regulär eins in der Kiste. Außerdem kann es in der ersten und dritten Woche im Monat
mittwochs in ein paar Bioläden gekauft werden, z.B. bei Kraut und Rüben, Dr. Pogo, Ökotopia, Biokraftkeller, … Derzeit wird es aus Champagner­Roggen gebacken, der auf dem Long Mai Hof Ulenkrug angebaut wurde.

Zum Norddeutschen Champagnerroggen schreibt der VERN:
„Der Champagnerroggen wurde ursprünglich im frühen 19. Jahrhundert aus der Champagne Frankreichs eingeführt und war eine der verbreitetsten Winterroggensorten Deutschlands. Von dem Züchter Adolf Jäger, aus Könkendorf/Mark, schon vor 1900 gezüchtet, war er bis Anfang der 60er Jahre noch im Anbau. Anschließend war die Sorte einige Jahrzehnte in einer Gendatenbank verschwunden. Ab und zu säten Mitarbeiter der Gendatenbank ihn auf kleinen Flächen aus, um zu kontrollieren, ob er noch keimfähig ist und welche Eigenschaften er besitzt.
Anfang der 90er wurde der Champagnerroggen dann vom Greiffenberger „Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen“ (VERN) wiederentdeckt und aus Gendatenbankbeständen rekultiviert. Heute gibt es wieder/noch einige Landwirte in Brandenburg und darüber hinaus, die diese Sorte anbauen.
Beschreibung: Diese alte Getreidesorte kann bis zu zwei Meter hoch werden. Der Champagnerroggen besitzt eine dicke, kompakte, mittellange Ähre, die mit vollen, länglichen Körnern gut besetzt ist.
Die Standortansprüche: Champagnerroggen eignet sich hervorragend zum Anbau auf
armen Sandböden und ist tolerant gegenüber Witterungsextremen mit wenig Wasserdargebot. Außerdem ist er sehr robust und winterfest.
Anbauhinweise: Champagnerroggen ist sehr anspruchslos und benötigt keine chemischen Mineraldünger, er ist also hervorragend für eine biologische Produktionsweise geeignet.
Nutzung: Der Champagnerroggen weist gegenüber modernen Zuchtsorten eine gute Qualität mit besonderen Inhaltsstoffen auf und ist gut zum Backen geeignet.“

Zurück zum Brotprojekt von Backstube und Schnittstelle. Die größte Herausforderung derzeit ist es alle paar Monate Getreide zu finden, denn bisher sind die Mengen noch zu klein um mit Bauern*innen einen Vertragsanbau zu machen. Das ist aber das Ziel und mit der derzeitigen Kontinuität sieht es ganz gut aus.

>>> diverse Säfte aus den Mosterei Ketzür und Karmitz
Da es immer die Rückmeldung gibt, dass der Saft so lecker war, diesmal Saft satt im Abo.
Viele Apfel­, und Birnen­Bäume stehen entlang der Landstraßen und Äcker, in Gärten und auf Wiesen, eben auf sogenannten Streuobstwiesen. Zum Teil erntete jahrelang niemand diese Bäume und das Obst endete unbeachtet als Fallobst.Aber langsam scheint die Wertschätzung dafür wieder zu wachsen. Die Kleinmostereien, von denen der Saft in der Bio­Div­Kiste stammt, sammeln ihr Obst auf Streuobstwiesen in der näheren Umgebung. Oder sie mosten den Saft für die Apfelbaumbesitzer_innen und als ‚Lohn‘ bekommen sie einen Teil des Saftes, der gemostet wurde.
Streuobstwiesen sind nicht nur wichtig für den Erhalt von (Apfel­)Sortenvielfalt. Sie sind auch ein wichtiger Rückzugsraum für viele Vögel, Insekten und kleine Tiere. Klassischer Weise wurden in Streuobstwiesen ‚Hochstämme‘ gepflanzt. Sie gelten heute als historische Sorten, da sie aus der Plantagenwirtschaft fast verschwunden sind. Durch ihre Höhe können sie nicht so schnell und einfach abgeerntet werden wie ‚Niedrigstamm‘­Bäume und bieten so dann auch für Tiere noch lange eine Nahrungsquelle.
Aber es ist nicht nur gut, die alten Baumbestände zu erhalten, sondern auch neue Bäume mit ‚alten‘ Sorten zu pflanzen. Es gibt immer mehr Baumschulen, die auch historische Apfelsorten anbieten, und bei neu gepflanzten historischen Sorten kann mensch ja nach den eigenen Vorlieben entscheiden, ob es ein Lager­ oder Mostapfel sein soll, eher süß oder
säuerlich, kleine oder große Äpfel …

Als einen kleinen Tipp noch, für die heimlichen Pomolog*innen unter Euch: In Berlin gibt es die „Apfelgalerie“. Das ist ein kleiner Laden, in dem es verschiedene Apfelsorten zu probieren und zu kaufen gibt (Goltzstr. 3, 10781 Berlin (U Eisenacher Str.), Öffnungszeiten Mo. ­ Fr. 11­-19 Uhr und Sa. 11­-15 Uhr)

>>> Kamut­Pasta von der Genossenschaft Iris
Beim recherchieren zu Kamut bin ich über den doch amüsanten Abschnitt des deutschsprachigen Wikipedia­Artikel zu Khorasan­Weizen gestolpert, einer Weizenart, die auch unter dem Namen Kamut vermarktet wird. (http://de.wikipedia.org/wiki/Khorasan­ Weizen)
“… Die Sorte eignet sich wie Hartweizen besonders zur Herstellung von Teigwaren. Landwirte aus Montana (USA) ließen sich das altägyptische Wort „Kamut“ für den biologischen Khorasan­Weizenanbau als Marke schützen und vermarkten ihn geschickt unter dieser Bezeichnung, sodass sich „Kamut“ als Synonym für den Khorasan­Weizen in
Deutschland einbürgerte….
Geschichte: Die exakte Herkunft ist unbekannt. Mehrere Legenden, allesamt unbestätigt, versuchen die Kenntnislücke zu füllen. In Ägypten wird er heute Balady Durum genannt, was so viel wie „Einheimischer Durum“ heißt. Spekulationen über seinen Ursprung umfassen auch die Einführung durch die Armeen der antiken Griechen, des Römischen
Reiches, oder möglicherweise auch später durch das Byzantinische Reich. Örtliche Legenden werden von Bauern in der Türkei, wo man ihn auf kleinen Feldern finden kann, erzählt, wonach der Khorasan­Weizen, der auch „Kamelszahn“ oder „Weizen des Propheten“ genannt wird, das Getreide war, das der biblische Noah auf seiner Arche mitbrachte.
Aus den 1960er Jahren belegt ein Zeitungsartikel aus der Great Falls Tribune aus Montana (das durch die Firma Kamut International auch im Internet Verbreitung fand) wonach der in Portugal stationierte amerikanische Pilot Earl Dedman 1949 seinem Vater Rube E. Dedman, einem Farmer in Fort Benton, 36 Körner eines Riesenweizen in einem
Briefumschlag zusandte. Sechs Jahre später hatte die Familie Dedman 1500 Scheffel in ihrer Kornkammer. Sie nannten den Weizen „King Tut Wheat“, da die Körner einer schönen Erzählung nach aus einer Steinkiste aus einem ägyptischen Grab bei Dashare stamme. Der in dieser Kamut­Legende genannte ägyptische Ort Dashare fand sich bisher in keinem Atlas.
Der Ursprung der Sorte aus Ägypten ist durch die eingangs zitierte DNA­Analyse widerlegt und Weizen bleibt höchstens 200 Jahre keimfähig. Trotzdem kursiert die Geschichte weithin im Internet. Der Weizen wuchs als Neuheit auf vielen kleinen Feldern rund um Fort Benton und wurde auf regionalen Messen verkauft.
Aus Fort Benton erhielt der Farmer Mack Quinn aus Montana 1977 ein Glas mit Körnern dieser Sorte und begann den Anbau. Ab 1980 vermarktete er die alte Khorasan­Weizen­ Sorte. Als sein Sohn Robert Quinn den Betrieb übernahm, da sein Vater zum Vorsitzenden des Bauernverband „Montana Farm Bureau Federation“ gewählt wurde, bemerkte er ab
1984 eine wachsende Anfrage nach biologisch angebautem Getreide. 1987 stellten sie den Betrieb ganz auf ökologische Landwirtschaft um und ließen sich das altägyptischen Wort Kamut® (=„Seele der Erde“) (auch Weizensorte Q­77) für ihre Firma „Kamut International, Ltd“ beim United States Patent and Trademark Office für den Anbau registrieren. Sie lassen ausschließlich in den „Upper Great Prairies“ von Nordamerika in USA und Kanada
produzieren und exportieren von dort weltweit. Die Hälfte der Produktion wird in Italien vermarktet, der zweitgrößte Markt ist Deutschland. 1990 erkannte das US­Landwirtschaftsministerium „Kamut“ gar als „neue Sorte“ an. Anbau und Vertrieb erfolgen nur über Lizenz von Kamut International.

>>> Rotwein aus der Kommune Urupia
Zu der Rebsorten­Vielfalt bei Trauben bzw. im Weinanbau kommt demnächst mal was Inhaltliches, das passt heute nicht mehr hier hin.
Und wie immer gibt es einen Hinweis zum ’17. April‘ :
Das ist der internationale (Aktions)Tag für die Rechte der Landlosen, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Fischer*innen und Landarbeiter*innen, ausgerufen von La Via Campesina. La Via Campesina ist ein weltweites Netzwerk von Organisationen, das den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine Stimme gibt und seit über 20 Jahren für eine Redemokratisierung des Lebensmittelsystems und für die Stärkung der Rechte von Kleinproduzent_innen eintritt.
Einer ihrer zentralen Aktionstage ist der 17. April, der Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes. Das Datum erinnert an das Massaker an der Landlosenbewegung MST im Norden Brasiliens durch die Polizei 1996, bei dem 14 Aktivist*innen starben. Seitdem wird jedes Jahr einerseits auf herrschende Ungerechtigkeiten und Konflikte im globalen Nahrungsmittelsystem aufmerksam gemacht (in diesem Jahr steht die Saatgut­Souveränität im Mittelpunkt). Anderseits wird aber auch die bestehende kleinbäuerliche Vielfalt gefeiert und auf deren Vorzüge gegenüber der industriellen Landwirtschaft hingewiesen. Auch in Berlin finden Veranstaltungen um den 17. April statt, genauere Informationen dann über den Schnittstellen­Blog.
Fast schon traditionell gibt es zu diesem Anlass ein Gartenfest im Interkulturellen Garten „Ton, Steine, Gärten“ am Mariannenplatz am 18. April. Und auf der großen Demo gegen TTIP, auch am 18.04., wird es einen (kleinen) Block für
die Rechte der Landlosen geben.

Na dann, juten Hunger
HERBiE
für Schnittstelle
PS: Bei Schnittstelle gibt es außer Kamut­Pasta auch noch weitere Pasta­Sorten, passende Tomaten­Soßen und diverse Reis­Sorten.
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Falls Ihr Interesse an den Lebensmitteln aus dem Abo und aus dem Sortiment von
Schnittstelle habt: Die meisten Sachen gibt es auch im Depotverkauf. Der ist immer
Montags, zwischen 15 und 19 Uhr. Das gesamte Angebot von Schnittstelle (incl. T­Shirts)
gibt’s dann im Verkauf. Das Depot ist in der Urbanstr. 100 (im Eingang hängt u.a. ein Schild
mit der Aufschrift ‚Zum Fliegenden Theater‘. Dann in den zweiten Hinterhof gehen, ganz
rechts hinten ist der Eingang mit einem grünes Schild ‘ Schnittstelle‘ an der Tür.)
Bestellungen: per Tel: 0176­54392783 oder per mail: schnittstelle@jpberlin.de
Lieferung nach Absprache möglich.
Ebenso ist es möglich, Waren aus unserem Sortiment zu der Kiste dazu zu bestellen.
Einfach vor dem nächsten Abotermin anrufen.
Infos zum Thema Landwirtschaft, Biodiversität, Solidarökonomie, Lebensmittel und unsere
Waren, findet ihr unter http://schnittstelle.blogsport.de