Hallo Freund*innen der Diversität und Liebhaber*innen
von regionalen Gemüsesorten und Säften

Ihr haltet die November-2016-Variante des Bio-Div-Abos in Euren Händen, diesmal mit:
>>> buntem Gemüsestrauch vom Hofkollektiv Bienenwerder
>>> weißen Möhren von Ludwig aus Börnicke
>>> Futsu-Black-Kürbis vom SoLaWi-Hof Basta
>>> Apfel-Birnen-Saft von Schnittstelle
>>> Apfel-Aronia-Saft der Mosterei Ketzür
Variationen möglich mit
>>> Brot aus Urmut-Getreide vom Kollektiv Backstube gebacken
>>> Chilis vom Hofkollektiv Bienenwerder
>>> blauem Hokkaido von Ludwig aus Börnicke
>>> Linsen vom Biohof Lex

Die jeweilige Zusammensetzung variiert, der Warenwert ist
immer ca. 18 € (Variationen nötig und möglich, u.a. wegen den
angegeben Einschränkungen, bzw. individuellen Wünschen)

Das Abo besteht wie immer aus gentechnikfreien Lebensmitteln, die u.a. aus samenfestem Saatgut gezogen wurden, bzw. aus Misch-Saft aus regionalen Äpfeln und aus fair gehandelten Zutaten, die groß-teils in solidar-ökonomischen Strukturen verarbeitet wurden.

Was bedeutet samenfest?
In den letzten Jahren ist das Bewusstsein zu dem Thema gestiegen, nicht nur auf der theoretischen Ebene, sondern auch bei Bäuer*innen, Gärtner*innen und in Projekten. Viele solidarische Landwirtschaftsprojekte haben das Thema auf ihrer Agenda. Auch bei Kund*innen steigt das Interesse, so dass es mittlerweile in gut sortierten Bioläden oft beispielsweise samenfeste Möhren zu kaufen gibt.
Als samenfest werden diejenigen Sorten bezeichnet, von denen mensch im Garten selbst Samen gewinnen und nachbauen kann, ohne dass die Eigenschaften der Sorte in der nächsten Generation/Saison verloren gehen!
Die im Super- oder Baumarkt verkaufte Sämereien sind fast immer Hybridsorten und auch in der ‚normalen‘ Landwirtschaft, bzw. Gemüsebau wird üblicherweise Hybridsaatgut verwendet. Aber warum überhaupt Hybrid-Sorten?
Hybrid-Saatgut ist auf mehreren Ebenen gut für die industrielle Landwirtschaft. Auf dem Feld zeichnen sich Hybrid-Züchtungen durch eine große Gleichförmigkeit (in Geschmack, Form, Größe und Reifezeitpunkt) aus. Damit lässt sich dann, der kapitalistischen Sichtweise folgend, effizienter handeln (in größeren Margen, europaweit, mit vermeintlich weniger ‚Schwund‘, …).
Die Gurke ist dafür ein gutes Beispiel: Es wird behauptet, die Kund*innen würden gerade Gurken wollen. Den meisten Verbraucher*innen ist es tatsächlich total Schnuppe, ob die Gurke eine Krümmung hat. Aber der Handel/dessen Lobby hat die Einführung von bestimmten Handelsklassen gefordert, damit der Großhandel aus Deutschland ‚über die gleiche Qualität‘ spricht wie der Zwischenhandel in Spanien, Griechenland oder Holland, wenn z.B. über Handelsklasse 2 gesprochen wird. In der Handelsklasse „Extra“ darf die Gurke maximal eine Krümmung von zehn Millimetern auf zehn Zentimetern Länge aufweisen.
Hybrid-Saatgut kann mensch nicht selbst vermehren. Zwar wollen sowieso nicht alle Gärtner*innen und Gemüsebetriebe ihr Saatgut selbst gewinnen, aber dennoch nimmt die Frage, wie Saatgut vermehrt worden ist, mehr Raum ein. Gerade in Hinblick auf die Megafusion zwischen Bayer und Monsanto wird die Frage, wer die ‚Kontrolle über Saatgut‘ hat, existentiell. Ein Großteil der samenfesten Sorten wird in kleinen Betrieben produziert, sie sind regional angepasst(er) und haben Eigenschaften, die Klein(st)-Produzent*innen benötigen, wie z.B. eine längere Ernte-Periode statt einer Zucchini-, Gurken- oder Tomaten-Schwämme innerhalb von 2-3 Wochen.
Wenn mensch das Saatgut einer Hybridsorte gewinnt und aussät, werden Samen mit ganz verschiedenen Eigenschaften keimen, so wie sie im Ausgangssaatgut vorhanden waren. Das kann dann so aussehen, dass ein großer, gelber, schmackhafter Mais im nächsten Jahr kleine, rote Kolben hat, die zwar noch schmecken, aber mickrig sind und gleichzeitig gelbe, fast geschmacklose, ganz große Kolben trägt. Das ist ein ‚Trick‘ der Saatgut-Monopolist_innen, um die Leute als Kund*innen an sich zu binden und zum erneuten Kauf zu zwingen.

Auch im kontrolliert biologischen Anbau mit Siegel wird nicht automatisch mit samenfestem Saatgut gearbeitet!

In manchen Ländern, wie beispielsweise Mexiko, gibt es bei bestimmten Gemüsesorten bereits keine samenfesten und regional angepassten Varianten mehr. Diejenigen, die diese Gemüsesorten anbauen, haben dadurch bereits ihre Unabhängigkeit von Finanz- und Saatgutkonzernen verloren.

Und gleichzeitig ist es auch gut und wichtig einen Blick über Europa und die USA hinaus zu werfen, da ein Großteil der Menschen im ‚globalen Süden‘ nach wie vor über kleinteilige bäuerliche Strukturen versorgt wird. Diese Bäuer*innen arbeiten mit ‚eigenem‘ Saatgut.
Das Vorhandensein samenfester Sorten ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen unabhängig ihr Saatgut selbst gewinnen, selektieren und regional angepasstes Saatgut züchten können.

So, mal wieder was zum Thema ’60-Abos wären super‘
>>> Die Abo-Kampagne, bzw. der Abo-Stand
Nachdem ich im Sommer mal nix dazu geschrieben hatte, da es auch mit den Urlaubs-pausen bei den Abos kompliziert wurde es klar zu formulieren, kommt diesen Monat mal wieder ein Pegelstand.
Zum ersten mal sind es 50 Kisten/Tüten, die geliefert oder abgeholt werden. Dazu kommen zwei Abos, die diesen Monat pausieren, und ein Probe-Abo, das heute bestätigt wurde, aber wegen Urlaub erst im Dezember anfangen soll. Begrüßen will ich die 5 neuen Probe-Abonnent*innen, die im November dazu gekommen sind. Sie sind mehr als ein Ausgleich für das Probe-Abo, das ausläuft und nicht in ein reguläres Abo umgewandelt wurde.

Soweit, nun zum Inhalt:
>>> bunter Gemüsestrauch vom Hofkollektiv Bienenwerder

Eine bunte Mischung aus 1x rote Beete, 2x Möhre, 1x kleiner Sellerie, 1x Wurzelpetersilie. Alles mit Grün und Rot dran. So schön kann Gemüse aussehen. Aber es ist ja nicht nur zum Anschauen da, sondern auch zum Essen!
>>> weiße Möhren von Ludwig aus Börnicke
Auch diesen Monat gibt es nochmal Möhren aus Börnicke, und zwar wieder die Sorte Küttiger Rüebli. Die Ernte war einfach super, aber da sich das Lagern als relativ umständlich erwiesen hat, gibt es diesen Monat nochmal Karotten.
„Im traditionellen Anbau wurden die Rüebli im Winter über die Wintergerste gesät. Nachdem die Gerste mit der Sense geerntet worden war, wurden die zu diesem Zeitpunkt etwa 15 cm hohen Karottenpflanzen mit der Hacke ausgedünnt und hatten nun bis zur Ernte im Oktober oder November genügend Platz und Licht. Aus dieser Anbauart kamen sie zu ihrem früheren Namen „Gerstenrüebli“.“ (Zitat aus Wikipedia)
Nachdem die Küttiger Rüebli Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts fast vergessen waren, wurden sie in den 1970er Jahren als eigenständige Sorte ‚entdeckt‘, vermehrt und erhalten.

>>> Futsu-Black-Kürbis von SoLaWi-Hof Basta
Der SoLaWi-Hof Basta im Oderbruch hat eine total gute Ernte mit Kürbissen eingefahren und hat angefragt, ob ich nicht ein paar haben will. ;-)
Also, diesen Monat bläulich dunkle Kürbisse der Sorte Futsu Black. Da ich sie gestern erst geliefert bekommen habe, kann ich keine genaue Empfehlung schreiben, was daraus ideal gemacht werden kann. Laut Rezepten sind sie gut zum Füllen und anschließendem Backen geeignet.

>>> Apfel-Birnen-Saft von Schnittstelle
Apfel-Birnen-Saft gab es ja immer wieder mal im Abo. Der Saft von diesem Monat ist aber eine Besonderheit. Erstens ist es ein kräftiger Saft, da er im Gegensatz zu dem Apfel-Birnen-Mischsaft ein Hälfte-Hälfte-Mix ist. Sonst wird so ca. 30 % Birnensaft in den Apfelsaft gemischt. Zweitens ist er aus Brandenburg, genauer aus dem Bernauer Land, und aus Wildsammlung. Freund*innen haben geholfen zu sammeln und dann wurde in einer Kleinmosterei in Hohenfinow gemostet. Vielleicht gibt es immer wieder mal so Projekte, mehr experimentieren ….

>>> Apfel-Aronia-Saft der Mosterei Ketzür
An diesem Saft wird wieder mal deutlich, wie unterschiedlich Apfel-Mischsäfte schmecken können. Die Äpfel kommen aus der Region um Ketzür (ca. 70 km westlich von Berlin), der Aronia-Saft wurde in Nordhessen gemostet.

Variationen
Die Variationen ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Wünsche und Individualisierungen. Zum Beispiel: Wenn in einem Abo immer Brot sein soll, dann sind zum Beispiel weniger Möhren drin, oder statt Säften dann Linsen und/oder Brot.
möglich mit:
>>> Brot aus Urmut-Getreide vom Kollektiv Backstube gebacken
Wer neu dabei ist oder sich dafür interessiert, kann im Beipackzettel vom Mai 2016, auch online unter http://schnittstelle.blogsport.de/bio-div-abo/ zu finden, was zu diesem Getreide lesen.

>>> Chilis vom Hofkollektiv Bienenwerder
In diesem Monat gibt es wieder eine kleine Auswahl an Chilis, die in Bienenwerder gezogen worden sind. Die Sorten haben so schöne Namen wie Cayenne, Turuncu Spiral, Jalapeño, Sarit Gat und Aciburun.
Die Chilis können entweder frisch verzehrt werden oder, wenn es zu viele sind, getrocknet und dann als Gewürz verwendet werden. Es muss ja nicht immer Pfeffer sein, der importiert werden muss, denn viele Gewürze wachsen auch in Brandenburg, von wegen kurze Transportwege und Ernährungssouveränität und so.
Chilis haben eine andere Schärfe als Pfeffer, die aber nicht unbedingt intensiver ist. Kleiner Tipp: Wenn es nicht so scharf sein soll, die Kerne entfernen, denn in denen ist die Schärfe konzentriert.
Hinweise zu Verwendung und Schärfe der einzelnen Sorten, wobei die Schärfeangaben auf einer Skala von 1-10 liegen
Nicht in jeder Kiste ist jede Sorte drin!
Turuncu Spiral: orange, eher dünn und spitz, Schärfe 5
Jalapeño: rot, nicht so lang, ‚stumpf‘, Schärfe 5; frische Jalapeño-Chilis sind schön knackig und eignen sich für Salsas und Salate
Sarit Gat: gelb und spitz, Schärfe 7-9; ertragreiche Sorte aus dem Kosovo
Aciburun: rot, spitz, eher lang, Schärfestufe unklar
Cayenne: rot, spitz, eher kurz, Schärfe 8; Cayenne wird meist getrocknet verwendet.

>>> blauer Hokkaido von Ludwig aus Börnicke
Dazu schreibe ich diesen Monat nix, Infos gibt es unter http://schnittstelle.blogsport.de/2014/10/08/oktober-bio-div-abo-mit-weissen-moehren-und-gruenem-hokkaido/#more-405

>>> Linsen vom Biohof Lex
Der Verbrauch und Anbau von Linsen, die früher eines der Grundnahrungsmittel in Deutschland waren, ist stark zurückgegangen. Das ist sehr schade, denn Linsen sind gesund und abwechslungsreich zuzubereiten und es gibt eine Vielzahl an interessanten Sorten. Der Rückgang des Anbaus ist unter anderem damit zu erklären, dass in Deutschland die Erträge aufgrund der unstetigen Wetterlage stark schwanken. Das ist in einer kleinteiligen Landwirtschaft mit diversen Anbaukulturen kein großes Problem. Wenn aber Betriebe sich wegen Preiskampf spezialisieren müssen, sind die Schwankungen in den Erträgen hinderlich und machen den Anbau zu einem riskanten Geschäft. Der kommerzielle Anbau findet heute vor allem in Regionen dieser Welt statt, die gleichmäßigere klimatische Bedingungen haben.
Am Geschmack kann der Rückgang des Linsenkonsums eigentlich nicht liegen, denn aus Linsen können viele sehr leckere kalte und warme Speisen zubereitet werden. Gerade für Leute, die kein Fleisch essen oder ganz auf tierische Produkte verzichten, sind Linsen ein tolles Nahrungsmittel, da es sehr Eiweiß- und Eisen-haltig ist.
Allgemein gilt als guter Tipp: ‚Würzen gegen Pupsen‘ mit Kümmel, Kreuzkümmel, Fenchel und/oder Anis.
Ansonsten bleibt nur noch ein wichtiger Hinweis für die Zubereitung: Salz erst am Ende der Kochzeit dazugeben; und ohne vorheriges Einweichen 20-30 min. kochen lassen.

Na dann, juten Hunger,

HERBiE
für Schnittstelle