Ihr lest den Beipackzettel der Mitte Oktober 2019 Kiste des Bio-Div-Abos. Im Abo war :

>>> buntem Mangold vom Hofkollektiv Bienenwerder
>>> Endivie vom Hofkollektiv Bienenwerder
>>> Hokkaido von Ludwig aus Börnicke
>>> Lauchzwiebeln vom Hofkollektiv Bienenwerder
>>> Mais vom Hofkollektiv Bienenwerder

Variationen möglich mit
>>> Brot aus Roggen und Hirse vom Kollektiv Backstube gebacken
>>> Apfel-Wurzel-Saft aus der Mosterei Karmitz
>>> Zwiebeln von Ludwig aus Börnicke

Die jeweilige Zusammensetzung variiert, der Warenwert ist immer ca. 18 € (Variationen nötig und möglich, u.a. wegen den angegeben Einschränkungen, bzw. individuellen Wünschen)

Das Abo besteht wie immer aus gentechnikfreien Lebensmitteln, die u.a. aus samenfestem Saatgut gezogen wurden, bzw. aus Misch-Saft aus regionalen Äpfeln und aus fair gehandelten Zutaten, die großteils in solidar-ökonomischen Strukturen verarbeitet wurden.

Letzten Monat habe ich an dieser Stelle vom Druck der Straße gesprochen. Letzte Woche hat die Gruppe/Bewegung Extinction Rebellion in Berlin das ganz praktisch gemacht und eine Woche lang mit diversen Aktionen Berlin blockiert. Die Forderungen von Extinction Rebellion, u.a. dass die Bundesregierung den Klimanotstands ausruft, wurden nicht umgesetzt. Die Blockaden waren in der Öffentlichkeit viel Thema, aber weniger die Motivation der Aktivist*innen. Wie es weitergeht mit Extinction Rebellion und der Klimabewegung generell ist offen. Hinweise auf Aktionen der Klimabewegung gibt es in der nächsten Rundmail von Schnittstelle.

Daneben habe ich letzten Monat auch auf das Camp und die Aktion „Free the soil“ bei Brunsbüttel gegen industrialisierte Landwirtschaft hingewiesen. Um nicht immer nur Ankündigungen zu haben, will ich hier mal schreiben, wie es war. Das Camp war mit ca. 600 Menschen gut besucht gemessen daran, dass das Thema relativ neu in der Klimagerechtigkeitsbewegung ist. Auch die Blockade hat einiges an Öffentlichkeit gebracht. Einen Pressespiegel zu der Kampagne findet ihr hier: https://freethesoil.org/de/pressespiegel/

Im Frühjahr habe ich in einem Beipackzettel auf eine Reportage über rechte Siedler_innen hingewiesen. Da ich und einige von euch das sehr interessant fanden, komme ich nun mit einem ähnlichen Thema.

Viele der rechten Siedler_innen versuchen nicht nur mit Volkstanz und ehrenamtlichem Engagement Teil von Dorfgemeinschaften zu werden und ihre Ideologie zu verbreiten. Viele engagieren sich im ökologischen Bereich, zum Beispiel durch Kritik an Gentechnik und das Betreiben von biologischer Landwirtschaft.
Gerade gibt es einen Fall, bei dem es um regionale Hirse geht. In der taz erschien letzte Woche am Montag ein Text, der die selben Sachverhalte zusammenträgt und mehr in die Tiefe geht, wie ich in diesem Text, den ich vorher geschrieben hatte. Die Frage ist, was tun, wenn der Betreiber einer Bio-Hirsemühle ein Funktionär der AfD¹ ist?
Der kleinen inhabergeführten Biosupermarktkette Biomare in Leipzig ist aufgefallen, dass der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle Teil des AfD-Kreisvorstands Spree-Neiße ist. Daraufhin hat der Leiter der Kette der Spreewälder Hirsemühle angekündigt, dass die Produkte der Mühle aus dem Sortiment genommen werden. Er hat der Mühle auch Zeit gegeben, sich dazu zu äußern und das richtig zu stellen, falls es ein Irrtum ist. Die Begründung zum Auslisten ist, dass die von der AfD vertretene Leugnung des menschengemachten Klimawandels nicht mit den Grundsätzen des Bioladens vereinbar ist. Auch wenn fast alle Wissenschaftler_innen davon ausgehen, dass der Klimawandel menschengemacht ist, leugnet das die AfD und ist damit die einzige größere Partei.
Es folgte eine fast fünfseitige Antwort des Mühleninhabers. In der üblichen AfD-Manier wird der Kritiker des Totalitarismus bezichtigt, der Klimawandel geleugnet, beleidigt und es werden Fake-News verbreitet. U.a. richtet sich der Inhaber der Mühle gegen Windkraft mit den Worten „Wissen sie eigentlich wieviel Dörfer faktisch annähernd unbewohnbar sind aufgrund des Schadens den die dort installierten Windräder anrichten? Wissen sie wieviel Menschen aufgrund negativer Windradeinflüsse erkranken?“ (Fehler im Original)

Als energiepolitisch Interessierter werde ich da natürlich hellhörig, denn von dieser Dramatik habe ich noch nie was gehört.
Bei einer einfachen Internetsuche zum Thema „unbewohnte Dörfer wegen Windkraft“ ist mensch schnell bei pi-news. Laut Wikipedia ist die Internetseite pi-news ein „politisch rechtsextremes Blog, das sich der Selbstbeschreibung nach gegen eine befürchtete „Islamisierung Europas““ richtet.

Und um das Antwortschreiben abzurunden, werden zum Abschluss über zwei Seiten rassistische und antimuslimische Artikel aus der Jungen Freiheit angeheftet, da ja klar ist, dass das „Migraten-Problem“ über allen steht.
Wer den Mailwechsel nachlesen will: https://bio-mare.com/wp-content/uploads/2019/08/e-mail-verlauf-sprewaelder-hirsemuehle.pdf
Kurzlink – https://bit.ly/3584njv
Das ganze hat so hohe Wellen geschlagen, dass andere, auch bundesweit agierende Biosupermärkte die Produkte der Spreewälder Hirsemühle ebenfalls ausgelistet haben. Umgekehrt twitterte der Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion über die Auslistung: „Ökos! Wehrt euch! Kauft nicht bei AfDlern!“
Ich hoffe, ich muss hier nun nicht drauf eingehen, wie billig das ist und wie sehr das den Nationalsozialismus und die Verfolgung von Jüd_innen verharmlost. Und auch nicht darauf, wie gerne sich die AfD als vermeintliches Opfer stilisiert.

Schnittstelle findet das Vorgehen von Biomare richtig und auch gut, so was zu veröffentlichen, bzw. die Info zu streuen. Die Hirse für das Biodiversitätsbrot ist übrigens über Biokorntakt bezogen worden und stammt nicht von der Spreewälder Hirsemühle.

Beim Lesen der Antwort musste ich an den sozialpolitischen Antrag der AfD im Bundestag denken, der von Johannes Vogel (FDP) zerlegt wird. Ein Video dazu ist irgendwas zwischen ganz amüsant und „Oh menno, mit so was muss sich der Bundestag beschäftigen“. https://www.youtube.com/watch?v=HcTCX-F94sM

Zum Inhalt der Kiste:
>>> bunter Mangold vom Hofkollektiv Bienenwerder

Die meisten kennen ihn in grün mit weißen Rippen, aber die Rippen können auch rot oder gelb sein. Wie auch auf der Postkarte für das Abo, wo ein roter Mangold als Motiv drauf ist. Der Mangold ist eine Gemüsepflanze, die eine Kulturform der Wilden Rübe ist. Die wird auch See-Mangold genannt und wächst an den Küstensäumen Europas und Nordafrikas und in West- und Südasien. Mangold ist verwandt mit der Zuckerrübe, der Futterrübe und der Roten Rübe. Eine Verwandtschaft, die man ihm nicht ansieht.
Auffälliges Merkmal sind die stark hervortretenden essbaren Mittelrippen der Blätter.
Es gibt diesen Monat je einen Bund Mangold. Er besteht aus den Sorten Rainbow, Lucullus, Glatter Silber und Feurio. Nicht in jedem Bund sind alle Sorten.

>>> Frisée vom Hofkollektiv Bienenwerder
„Grüner Escariol“ ist ein Spätsommersalat und gehört zu den Endiviensalaten. Er eignet sich besonders gut für die Nachkultur. Der Salatkopf hat einen rosetten- bis schalenförmigen Wuchs. Die inneren Blätter sind hellgrün bis gelb und zarter als die Außenblätter. Die schmackhaften Herzen sind fest und hitzebeständig, aber auch für Rohkostsalate bestens geeignet.
Bei Wikipedia heißt es dazu: „Die Endivie wird roh als Salat verzehrt, man kann Endivie aber auch warm wie Spinat oder Mangold zubereiten. Eine Spezialität im Rheinland ist Endivien untereinander.“
Die Beilage Endivie untereinander besteht aus fein geschnittenen Endivienstreifen zusammen mit angebratenen Speckwürfeln und Zwiebeln unter Kartoffelpüree gemengt. Zeiten ändern sich: Auch wenn im Original-Rezept Speck vorkommt, ist die Empfehlung, die Speckwürfel durch Räuchertofu zu ersetzt.

>>> Hokkaido von Ludwig aus Börnicke

Beim Hokkaido hat sich in Mitteleuropa die orangefarbene Variante durchgesetzt, da er mit der essbaren Schale einfach zu Suppen verarbeitet werden kann und mit dem kräftigen Orange sehr hübsch aussieht. Aber es gibt Hokkaido auch in bläulich, grün und fast grau. Diesen Monat gibt es im Abo einen blauen. Er schmeckt ähnlich wie der orangefarbene und eignet sich so ebenfalls hervorragend für Suppen und als Ofengemüse. Für das Suppe-Kochen empfehle ich, das Innere separat zu pürieren und die Schale in kleinen Stücken hineinzugeben, da das einen schönen Kontrast gibt.
Der Hokkaido-Kürbis ist zwar nach einer japanischen Insel benannt, aber Japan ist nicht sein Ursprungsort. Diese vielfarbig daher kommende Kürbissorte ist eine Züchtung aus einer amerikanischen Riesenkürbissorte. Der kleine nahrhafte Hokkaido wurde um 1878 von einem amerikanischen Agrarwissenschaftler nach Japan gebracht. Hokkaidos werden jetzt seit rund 20 Jahren in Europa angebaut. Heute gehören die Hokkaido-Kürbisse aufgrund ihrer vielfältigen Zubereitungsmöglichkeiten, einfachen Handhabung in Verbindung mit einer langen Lagerfähigkeit und optimaler Haushaltsgröße von ein bis zwei Kilogramm zu den beliebtesten Kürbissen weltweit.

>>> Mais vom Hofkollektiv Bienenwerder
Mais war in Deutschland ja eine Zeitlang der Inbegriff von kommerziellem Anbau von Gentechnik. Dank eines Mixes an öffentlichem Druck, zivilem Ungehorsam und nächtlichen Feldbefreiungen ist das erst mal Geschichte.
Teil dieses Mixes an Aktionen war das Anbauen der samenfesten „alten“ Sorte Bantam. Nicht nur in Bienenwerder wird er immer noch angebaut und darüber ist er im Abo gelandet. Dieser Zuckermais kann gekocht oder gegrillt werden, Margarine und Salz drauf und losknabbern.

Variationen möglich mit:

Die Variationen ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Wünsche und Individualisierungen. Zum Beispiel: Wenn in einem Abo Brot enthalten sein soll, gibt es dafür keinen Saft. Teilweise gibt es noch andere Wünsche oder Allergien, die dann zu anderen Kombinationen führen, die hier nicht erwähnt werden.

>>> Roggenbrot mit Hirse vom Kollektiv Backstube gebacken

Im Laden heißt das Brot Seenplatte und kann auch jenseits vom Abo bei der Backstube selber oder in diversen Läden immer am Mittwoch gekauft werden. Es ist ein Roggenbrot mit 10% regionaler Hirse. Warum es biodivers ist, hatte ich hier ja schon geschrieben. Wer es nachlesen will, kann das im Internet bei Solidar-Schnittstelle-Berlin.de tun, zu finden unter Bio-Div-Abo und da dann Beipackzettel „mai-2019-tour-1“.

>>> Zwiebeln von Ludwig aus Börnicke
Wie der Salat sind natürlich auch die Zwiebeln regional und ohne Kunstdünger angebaut. Und Ludwig hat im Vorfeld dieses Abos auch noch auf einen anderen Aspekt hingewiesen: Die Zwiebeln sind vor Ort direkt gepflanzt. Klingt relativ banal, aber hat auch den Effekt, dass für die Jungpflanzen-Zucht kein Torf verwendet wird. Das ist dann ein Querlink zum Bericht des Weltbiodiversitätsrats vom Mai 2019, der warnt: „wertvolle Ökosysteme sind zunehmend geschädigt“. Damit sind auch Moore gemeint, die trockengelegt werden um Torf abzubauen.

>>> Sommerkürbis vom Hofkollektiv Bienenwerder
Diesmal im Abo sind zwei Kürbisse. Der grüne kleine ist ein Sommerkürbis der Sorte Zaphito. Ähnlich wie Kürbisse der Sorte Hokkaido kann er mit Schale gegessen werden. Der Saatguthändler Bingenheim schreibt: „Zaphito ist zwar botanisch ein Kürbis, wird aber als junge Frucht wie eine Zucchini geerntet. Entsprechend wird die Schale mitgegessen.“ Bei der letzten Lieferung der Sorte war die Schale allerdings teilweise relativ hart ;-)
Als Tipp: Entweder dann doch schälen oder, je nach dem wie er verwendet werden soll, klein/fein raspeln.

Na dann, einen juten Hunger,
HERBiE
für Schnittstelle

Falls Ihr Interesse an den Lebensmitteln aus dem Abo und aus dem allgemeinen Sortiment von Schnittstelle habt: Der Depot-Verkauf ist immer montags zwischen 15 und 19 Uhr.
Das gesamte Angebot von Schnittstelle (inkl. T-Shirts) gibt’s dann im Verkauf.
Das Depot ist in der Urbanstr. 100 (im Eingang hängt u.a. ein Schild mit der Aufschrift ‚Zum Fliegenden Theater‘. Dann in den zweiten Hinterhof gehen, ganz rechts hinten ist der Eingang mit einem grünes Schild ‚Schnittstelle‘ an der Tür.)
Bestellungen: per Tel: 0176-54392783 oder per Mail: schnittstelle@jpberlin.de ; Lieferung nach Absprache möglich.
Ebenso ist es möglich, Waren aus unserem Sortiment zu der Kiste dazu zu bestellen. Einfach vor dem nächsten Abotermin anrufen oder eine E-Mail schicken.
Infos zu den Themen Landwirtschaft, Biodiversität, Solidarökonomie, Lebensmittel und den Waren findet ihr unter http://solidar-schnittstelle-berlin.de